Das Welcome Center Görlitz war zu Gast im Soziokulturellen Zentrum Telux in Weißwasser und lernte einen Ort kennen, an dem Kultur, Jugendarbeit, Kreativität und Beteiligung miteinander verbunden werden. Auf dem Gelände einer ehemaligen Glasfabrik ist ein lebendiger Ort entstanden, der Menschen dazu einlädt, selbst aktiv zu werden, eigene Ideen einzubringen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Das Telux-Gelände erzählt zunächst eine Geschichte von Arbeit und Strukturwandel. Bis 1990 befand sich hier das Spezialglaswerk „Einheit“, in dem mehr als 3000 Menschen beschäftigt waren. Mit dem Ende der DDR und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Wandel verlor das Gelände seine frühere Bedeutung. Seit 2015 entwickelt der Mobile Jugendarbeit und Soziokultur e. V. Teile des Areals und der Gebäude Schritt für Schritt zu einem Soziokulturellen Zentrum weiter. Mit der Eröffnung der Hafenstube im Jahr 2017 entstand ein Ort für Kultur, Partizipation und Mitgestaltung. Hafenstube Telux

Kultur für alle
Bei unserem Besuch wird schnell deutlich: Im SKZ Telux geht es nicht nur darum, Kultur anzubieten. Die Menschen sollen selbst mitmachen und mitgestalten können. Das Team der Soziokultur möchte Kultur für alle ermöglichen und ein demokratisches Miteinander auf der Grundlage von Respekt und Toleranz fördern. Der Leitspruch „Identifikation durch Teilhabe und Mitgestaltung“ beschreibt dabei sehr gut, was den Ort ausmacht. Hafenstube Telux
Gerade für Menschen, die neu in Weißwasser oder der Region sind, können solche Orte wichtig sein. Begegnung entsteht hier nicht erst dann, wenn man bereits Teil einer festen Gruppe ist. Sie kann ganz unkompliziert beim gemeinsamen Erleben, Ausprobieren oder Mitmachen entstehen.
Offene Formate – einfach vorbeikommen und dabei sein
Das Programm des SKZ Telux ist vielfältig und richtet sich an unterschiedliche Interessen und Altersgruppen. In der Hafenstube finden regelmäßig öffentliche Kulturveranstaltungen statt. Dazu gehören beispielsweise Bingo-Abende, Kinoveranstaltungen, das Quizlabor, Konzerte und weitere kulturelle Veranstaltungen. Viele dieser Angebote sind ausdrücklich offen – man kann dazukommen, zuschauen, mitmachen und andere Menschen kennenlernen. Hafenstube Telux
Ein schönes Beispiel dafür ist das Quizlabor. In mehreren Runden treten Teams gegeneinander an und rätseln gemeinsam über unterschiedliche Fragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man schon lange in Weißwasser lebt oder gerade erst angekommen ist. Im Vordergrund steht der gemeinsame Spaß.
Auch Veranstaltungen wie das Kino im Jahnbad oder das Tanzcafé für Junggebliebene schaffen Gelegenheiten, Menschen in einer ungezwungenen Atmosphäre zu begegnen. Das aktuelle Programm zeigt, wie unterschiedlich die Formate sind und wie viele Möglichkeiten es gibt, den Ort kennenzulernen. Hafenstube Telux
Nicht nur zuschauen, sondern selbst etwas machen
Ein besonderer Schwerpunkt des SKZ Telux liegt auf der Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen. Das zeigt sich vor allem im Lokallabor. Dort bekommen junge Menschen Zugang zu digitalen Technologien und können eigene Projekte entwickeln. Zum Angebot gehören unter anderem 3D-Drucker, Lasercutter, CNC-Technik und weitere Werkzeuge. Die Idee dahinter ist einfach: Eine eigene Idee soll nicht nur eine Idee bleiben, sondern möglichst umgesetzt werden können.

Auch im Kinder- und Jugendtreff gibt es Raum für Kreativität und eigene Projekte. Der ContainerTreff auf dem Gelände der alten Glasfabrik bietet einen Ort zum Zusammensein, für Workshops und für selbst initiierte Vorhaben. Ergänzt wird das Angebot durch sozialpädagogische Betreuung und Unterstützung bei schulischen Fragen. Hafenstube Telux
Hier zeigt sich eine weitere Stärke des SKZ Telux: Menschen werden nicht nur als Besucherinnen und Besucher angesprochen. Sie können selbst aktiv werden und erleben, dass ihre Ideen etwas bewirken können.
Verbindliche Formate – gemeinsam lernen und wachsen
Neben den offenen Veranstaltungen gibt es im SKZ Telux auch Angebote, die auf eine regelmäßige Teilnahme und gemeinsame Entwicklung ausgerichtet sind. Besonders im Bereich der Jugendarbeit werden junge Menschen längerfristig begleitet. Die Mobile Jugendarbeit unterstützt Kinder und Jugendliche bis zum 27. Lebensjahr bei Fragen rund um ihre persönliche, soziale und berufliche Entwicklung. Dabei geht es darum, gemeinsam die eigenen Stärken und Möglichkeiten zu entdecken und eigene Ziele umzusetzen. Hafenstube Telux
Das Projekt Innovationswerkstatt befindet sich derzeit noch im Aufbau. Bereits jetzt können Jugendliche im Rahmen des Lokallabors oder gemeinsamer Projekte mit Schulträgern erste Erfahrungen sammeln.
Die Werkstatt richtet sich vor allem an Jugendliche, soll aber auch ältere Zielgruppen einbeziehen und so intergenerative Begegnungen ermöglichen. Von CNC-Fräsen über Schweißtechnik bis zum Metallbau reicht das Spektrum. Dabei entstehen nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern auch Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und gemeinsamer Arbeit.
Ein Ort für Begegnung und neue Netzwerke
Aus Sicht des Welcome Centers ist besonders interessant, dass das SKZ Telux unterschiedliche Bereiche miteinander verbindet. Kultur, Jugendarbeit, digitale Bildung und kreative Arbeit finden an einem gemeinsamen Ort statt. Dadurch entstehen Begegnungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Hintergründen.
Das Soziokulturelle Zentrum versteht sich dabei nicht nur als Veranstaltungsort, sondern auch als Impulsgeber, Partner und Berater. Ziel ist es, Netzwerke innerhalb der regionalen Kulturszene und darüber hinaus aufzubauen. Auf dem Gelände haben sich inzwischen auch weitere Akteurinnen und Akteure aus Handwerk, Digital- und Kreativbereich angesiedelt. Hafenstube Telux
Für Menschen, die neu in der Region sind, können solche Netzwerke eine wichtige Möglichkeit sein, Kontakte zu knüpfen und die neue Umgebung kennenzulernen. Dabei muss der erste Schritt nicht über ein spezielles Integrationsangebot erfolgen. Manchmal reicht ein gemeinsames Interesse: ein Konzert, ein Quizabend, ein kreatives Projekt oder die Lust, etwas Neues auszuprobieren.
Vom ehemaligen Industriegelände zum Ort der Teilhabe
Das SKZ Telux zeigt eindrucksvoll, wie aus einem Ort, der seine ursprüngliche Funktion verloren hat, etwas Neues entstehen kann. Wo früher Glas produziert wurde und viele Menschen gemeinsam gearbeitet haben, wird heute wieder gemeinsam gestaltet, gelernt, ausprobiert und gefeiert.
Damit ist das Soziokulturelle Zentrum Telux nicht nur ein Kulturort, sondern auch ein Beispiel für gelebten Strukturwandel. Die Kohle-Kommission hob das Zentrum in ihrem Abschlussbericht als Beispiel für einen gelungenen Strukturwandel hervor. Hafenstube Telux
Unser Eindruck vom Besuch: Das SKZ Telux lebt davon, dass Menschen nicht nur eingeladen werden, Kultur zu konsumieren, sondern selbst Teil davon werden können. Wer neu in Weißwasser ist, kann zunächst einfach zu einer Veranstaltung kommen, sich umschauen und erste Kontakte knüpfen. Wer mehr möchte, kann sich in einem Projekt engagieren, eigene Ideen entwickeln oder regelmäßig Teil einer Gruppe werden.
So entsteht Teilhabe Schritt für Schritt – durch Begegnung, durch gemeinsames Ausprobieren und vor allem dadurch, dass Menschen den Raum bekommen, selbst etwas zu bewegen.

